KlangKiste #11

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Der Sommer neigt sich deutlich dem Ende zu und der Herbst kommt unaufhaltsam näher. Dann ist auch der Winter nicht mehr allzu weit weg, der uns mit seinen eisigen Klauen zwischen die warmen Wände unserer Unterkünfte drängt. Da ist man gut beraten, sich einigermaßen vorzubereiten, um dem Winter gelassen entgegen zu sehen. Somit will ich an dieser Stelle in nächster Zeit immer wieder warme und schöne Musik vorstellen, die jeden winterlichen Abend am Kamin versüßen wird – sollte man denn einen haben…

 

Auf der ersten Station unserer winterlichen Reise werden wir vom New Yorker Label Clown and Sunset begleitet. Das 2009 vom musikalischen Wunderkind Nicolas Jaar – über den an dieser Stelle auch noch ausführlicher berichtet werden wird – gegründete Label umfasst eine Vielzahl talentierter und visionärer Musiker, die nicht nur einen charakteristischen Sound produzieren, sondern auch an einer Vielzahl anderer Projekte arbeiten. Sehr minimalistisch und oftmals mit undefinierbaren Einflüssen bestückt präsentiert sich das musikalische Kollektiv und treibt eine neue Art der elektronischen Musik voran, deren Wurzeln von vielen dem blutjungen Jaar zugeschrieben wurden. Seine sphärischen, sehr tiefen Beats, oftmals vermengt mit eklektizistischen Vocals, haben eine ganz neue Dimension der elektronischen Musik salonfähig gemacht und – so scheint es mir zumindest – dem Deep House zu einem furiosen Comeback verholfen (aber dazu mehr in einer anderen Klangkiste).

 

Umso auffälliger ist daher das folgende Set, mit dem Nicolas Jaar die Clown and Sunset-Podcast-Reihe losgetreten hat. Völlig ohne elektronische Tracks auskommend führt uns Jaar auf eine einstündige, wunderbare Reise, die auch nach dem zwanzigsten Hören nicht enttäuscht. Die Reise führt uns an Indie und Folk Tracks vorbei, über Soul-, Blues- und Jazznummern, und entfaltet ihre ganz eigene Wirkung. Beim Hören dieses Sets wird deutlich, warum Jaars Musik als so komplex und vielfältig bezeichnet wird. Die Summe seiner Einflüsse, die sich eigenen Angaben zufolge von Erik Satie bis Mulatu Astatke erstrecken, ist enorm und lässt ihn aus einem großen Repertoire schöpfen, das hier eindeutig ausgenutzt wird.

 

 

 

 

Das nächste Set aus dem Hause Clown and Sunset ist deutlich blues- und jazzlastiger, und integriert dazu noch orientalische Klänge. Der mysteriöse New Yorker Produzent Quentin Pistol, über den nur sehr wenig bekannt ist, hat hier ein kurzes aber wunderbar ungewöhnliches und warmes Set zusammengestellt, das jedem Ohr schmeicheln wird.

 

 

 

 

Das letzte Set ist mein persönlicher Favorit, auch weil die Musikerin, die es erschaffen hat, möglicherweise gar nicht existiert. Es kursieren mehrere Gerüchte darüber, dass Nikita Quasim nichts anderes als ein Pseudonym Nicolas Jaars ist, der wiederum über eine fiktive weibliche Figur seine ‘feminine’ Produzentenader ausleben kann. Wenn wir die Gerüchte beiseite lassen, bleibt ein sehr kraftvolles Set übrig, das von der ersten Minute an fesselt. Quasim/Jaar vermengt gekonnt Interviewschnipsel mit Tracks, in denen fast ausschließlich wunderschöne bis mächtige Frauenstimmen zu Wort kommen. Die Auswahl der Stücke ist wie bei den anderen beiden Sets überragend und wird dabei einfach nicht alt. Ein großes Stück Musik.

 

 

 


von max am 21.Sep.2012 in kultur

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