An meine – noch nicht existenten – Enkelkinder #1

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Liebe – noch nicht existente – Enkelkinder,

irgendwann 2011 saß ich mal in gemütlicher Runde mit Freunden zusammen: Wir redeten über Gott und die Welt. Plötzlich fällt es mir wieder ein: Da war doch noch was… Stimmt! Ja, vor nicht allzulanger Zeit… Fukushima. Moment, Moment – ich kriege die Story noch zusammen… Das war was mit… Genau! Japan! Erst ein Erdbeben, dann ein Tsunami und dann… – Nee, nicht Godzilla – …Supergau.
Mindestens – wie oft? – drei?, fünf? sechs mal Tschernobyl? Auf einmal und vom Feinsten – Tutto completto:  Mit Explosionen und Kernschmelze(n) und erweiterter Evakuierungszone und allem was dazugehört…

 

Verdammt lang her… Monate? Jahre? Lasst mich kurz nachdenken… Was war die letzte Meldung zum Thema? In Deutschland wurde der Ausstieg vom Ausstieg aus dem Ausstieg geplant – irgendwann in der Zukunft mal. Angie hat die Atomkraft abgeschafft. “Und alle so: Yeaahh!”

 

Aber in Fukushima? “Radioaktivitätsmessung auf Höchst-Niveau” …oder so erinnere ich mich gelesen zu haben. Diese Meldung ist heute locker sechs(?) Wochen her… und dann? Seither nichts mehr. Keine Updates, keine neuen Meldungen… Mediale Windstelle im Blätterwald. Scheint ja alles in Ordnung zu sein. Oder doch nicht?

 

Kann ein so katastrophales Ereignis einfach verschwinden? à la: Du bist nicht da, wenn ich dich nicht sehe?

 

Deepwater-Horizon. Schemenhaft tritt eine andere Meldung, eine Story, eine medial-prominente Randnotiz (?) in meine Erinnerung. Ich krame Satellitenaufnahmen aus meinem Gedächtnis: Eine gigantische, graue Ölspur entspringt als kleiner Punkt irgendwo mitten im Golf von Mexico und breitet sich entlang der Strömung aus. Riesige Küstengebiete werden verseucht, Tiere verenden im Ölschlamm an der Küste. The Big Picture fängt die Bilder ein

 

BP entschuldigt sich – “ey, sorry, kann ja mal passieren” – Obama verspricht in Gummistiefeln am Strand den Wiederaufbau und finanzielle Hilfen für die lokalen Krabbenfischer. Und dann?

 

“Wie ist die Geschichte ausgegangen?” höre ich Euch, meine – noch nicht existenten – Enkelkinder, fragen. Dann, liebe Kinder, dann ist einfach dieses magische Bakterium aufgetaucht, und hat das ganze Öl aufgegessen. Einfach so. Alles weg. Und alles war wieder gut. Und der Prinz hat seine Kate Middleton geheiratet.

 

Für das Leck in der Shell-Plattform in der Nordsee hat sich dann schon niemand mehr interessiert. Vielleicht hatte die Bohrinsel keinen so tollen Namen wie “Deepwater-Horizon”? Vielleicht war es auch einfach nicht so schlimm? Ich weiß es nicht. Für die diversen lecken Öl-Pipelines in Sibirien oder im Nieger-Delta oder sonst wo interessiert sich ja auch niemand.

 

Aber die bayrischen Wälder sind wieder sicher! Chaos-Kuh Yvonne ist eingefangen worden. Alles gut…

 

Ich werde mir jetzt erstmal ein schönes Yvonne-Cäsium-Hüft-Steak in die Pfanne hauen. Hmmmmm…. Garniert mit ein paar Plutonium-Pilzen vielleicht? Au ja! Und Monsanto-Mutanten-Super-Zombie-Kartoffeln(tm) dazu…

 

Beim Essen werde ich dann darüber sinnieren, wieso der Mensch als einzige Spezies auf diesem Planeten dumm genug ist, sich ins eigene Wohnzimmer zu scheißen und sich anschließend über den Gestank zu beschweren. Aber hey, kein Ding: Kurz lüften, und alles ist wieder toll. Oder – noch besser: Fenster zulassen und Raumspray. Mit künstlichem Fichtengeruch. Oder nein, nein, noch besser. Sommer-Alm-Aroma. Bergfrische!

 

Liebe – noch nicht existente – Enkelkinder: Lasst Euch nichts erzählen! Unsere Generation hat es gewusst. Oder zumindest hätten wir es wissen können. Wir wollten es nur nicht wissen…


von fab am 08.Sep.2011 in leben

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