KlangKiste #10

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Heute entfernen wir uns etwas von Techno, Hip-Hop und Gitarrenmusik und wenden uns einem Musiker zu, der auf virtuose Art und Weise klassisches Klavier mit avantgardistischen Elementen à la Erik Satie mischt und auch den Jazz dabei nicht zu kurz kommen lässt: Chilly Gonzales.

 

Acht Jahre nach dem beachtlichen weltweiten Erfolg seines ersten „seriösen“ Albums Solo Piano hat Chilly Gonzales nun endlich wieder ein neues „klassisches“ Klavieralbum aufgenommen. Dabei wirkt es nicht selbstverständlich, dass solche Töne von einem derartigen Charakter zu hören sind: er, der sich nie ernst nimmt, sich für keinen Witz zu schade ist, er, der grundsätzlich nur in durchgetretenen Filzpantoffeln auftritt und stets leicht schmuddelig wirkt, er, dessen geschürzte Oberlippe stets den Eindruck erweckt als ob er einen schlechten Geruch in der Nase hat, er greift nun wieder auf so gefühlvolle Art und Weise in die Tasten wie es zur Zeit nur wenige vermögen.

 

Vor seinem ersten Album hatte er sich noch richtig ausgetobt: er selbst bezeichnet die Musik, die er damals schuf als „elektronische Underground-Cabaret-Performance-Musik“ und somit ist es nicht verwunderlich dass er unter anderem mit Peaches, der Trashkönigin unter dem elektronischen Musikhimmel, zusammengearbeitet hat.

 

Irgendwann allerdings „hatte [er] diesen Traum, diese Vision“, das Klavier in ein modernes Instrument zu verwandeln. Er wollte den Staub, der sich im traditionellen klassischen Musikbetrieb über die Tasten gelegt hatte, abschütteln und frischen Wind in die oftmals elitäre Welt der Klassik bringen.

 

Über das Risiko dieses Unterfangens war er sich durchaus bewusst, doch es gäbe wohl niemand anderen, der sich auf diese Art an das Projekt wagen würde. Der exzentrische Chilly Gonzales nimmt zwar nichts und niemanden ernst und mimt auch gerne den Clown auf der Bühne, doch seine Musik ist und bleibt eine der kraftvollsten und verträumtesten, die mir in letzter Zeit untergekommen ist. Wenn sich dann auf der Bühne das musikalische Genie mit dem durchgeknallten Entertainer verbinden, wird die ganze Kraft der Gonzales’schen Show ersichtlich. In diesem Sinne gibt es nun ein einstündiges Konzert des Meisters, das er anlässlich des Erscheinens seines ersten Albums gehalten hat. Die Konzerte zu seinem neuen Album Solo Piano II finden bald auch in Deutschland statt…

 

 

 


von max am 08.Sep.2012 in kultur

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