Plattenbesprechung: Radiohead – TKOL RMX 1234567

0

Radiohead in Concert. Foto: Matt Benton (CC BY-NC-SA 2.0)

TKOL RMX 1234567- das klingt erst einmal ziemlich sperrig. Macht aber schon mehr Sinn, wenn man sich anschaut, was sich dahinter verbirgt: Klar, TKOL ist die Abkürzung des originalen Albumtitels The King Of Limbs. Und die Zahlenfolge steht ganz einfach für die sieben Einzelveröffentlichungen von TKOL RMX 1 bis 7. Diese beinhalten jeweils zwischen zwei und vier Tracks des Albums und erschienen bereits vorab, weshalb schon alle Songs des Albums bekannt sind. Zu den einzelnen Veröffentlichungen wurden sie zudem auch schon immer auf radiohead.com zum Hören bereitgestellt. Nun sind sie jedoch endlich alle auf einer Platte vereint. Und die Idee dahinter klingt doch auch großartig: Die Gruppe um Mastermind Thom Yorke bittet einige der besten Produzenten elektronischer Musik, um ihr neuestes Album von ihnen remixen zu lassen. Darunter befinden sich Namen wie Nathen Fake, Caribou, Four Tet, Jamie XX oder SBTRKT, um nur ein paar zu nennen. Da sind die Erwartungen natürlich entsprechend hoch.

 

Quantitativ kommt auf jeden Fall einiges dabei herum: 19 Künstler remixen jeweils einen der acht Songs von The King Of Limbs. Auf der nun als Doppel-CD erscheinenden Platte wird also jeder Song mindestens einmal geremixt, allein Bloom aber sogar fünf Mal. Die Fakten sind damit klar. Aber wie sieht es nun mit den Songs dahinter aus? Beginnen wollen wir mit dieser Frage gleich beim ersten Track. Dieser ist ein Caribou-Remix von “Little By Little”. Im Ganzen ein netter Track. Andererseits ist er absolut nichts Besonderes. Da hätte man sich von Herrn Snaith doch deutlich mehr erhofft, denn es klingt alles ein wenig uninspiriert und beliebig. Besonders schade auch daher, da “Little By Little” der vielleicht beste Song auf The King Of Limbs war, das Ausgangsmaterial also mehr hergegeben hätte. Wenigstens ist da der zweite Remix von “Little By Little, den Shed übernommen hat besser. Dieser greift nämlich die vielen schönen Elemente des Originals deutlich besser auf und baut daraus einen wirklich guten Track. Einzig, an das Original kommt leider auch er nicht ran.

 
Ein wenig anders sieht es da beim zweiten Song des Albums aus. Dieser ist eine von Jaques Green geremixte Version der Singleauskopplung “Lotus Flower”. Jaques Green ist dabei eine sehr gute Produktion gelungen. Der Song beginnt ruhig und eher minimalistisch, entwickelt aber besonders im zweiten Teil mehr Tempo und wird facettenreicher. Vielleicht wären Thom Yorke mit dieser Musik auch seine Tanzversuche im “Lotus Flower”-Clip besser gelungen. Auf jeden Fall ein guter Song. Ein Attribut, dass definitiv auch auf den Remix, den Nathan Fake von “Morning Mister Magpie” gemacht hat, zutrifft. Mehr noch, er ist der vielleicht beste Track der ganzen Remixzusammenstellung geworden. Sehr schön legen sich dort über einen treibenden Grundbeat eine Reihe anderer bis ins Sphärische reichender Beats und Klänge, in denen sich Nathan Fake eindeutig wieder erkennen lässt. Dabei verliert der Track jedoch nie die Richtung, da der Grundbeat das Ganze Klanggebilde jederzeit sicher zusammenhält und dominiert.

 

Als weiterer guter Track auf der ersten CD ist noch “Feral” im Remix von Lone zu nennen. Dem vielleicht schlechtesten Song der Originalplatte verpasst er einen schönen neuen Anstrich und neues Leben, wobei ein angenehmer Track herauskommt, der gleichzeitig auch ein wenig pusht. Seine eigentliche Klasse gewinnt der Song aber aus seinem Höhepunkt zur Mitte des Tracks. Für ca. eine Minute verschwindet der pushende Bass. Dafür ertönen in der Folge wunderschöne verträumt-sphärische Klänge, die einen beinahe hinwegschweben lassen. Bevor es aber soweit kommt, setzt wieder der Bass ein und reißt einen so ein wenig aus den Träumen. Schade eigentlich, kann doch der eher belanglose Schlussteil nicht im Geringsten mit dieser Passage mithalten. Diese ist nämlich eindeutig das Highlight des Songs und auch mit Sicherheit eine der besten Stellen des ganzen Albums.

 

Als letzter Track auf der ersten CD findet sich noch der von Four Tet gemachte Remix vom Song “Seperator”. Der dabei herausgekommene Song ist nicht schlecht. Aber um ehrlich zu sein, war es das schon vorher. Von der ersten bis zur letzten Sekunde besteht dabei kein Zweifel, dass dieser Remix von Four Tet stammt. Sehr eindeutig lässt sich seine Handschrift an den vielen verspielten Elementen, wie den Schlagzeugsamples, erkennen. Alles in allem sehr harmonisch und angenehm. Aber irgendwas fehlt dem Ganzen dann doch um heraus zu stechen. So klingt es einfach nur wie ein weiterer typischer Four Tet-Remix ohne allzu besondere Eigenschaften.

 

Die Highlights der zweiten CD sind fast allesamt auf der siebten und letzten Einzelveröffentlichung erschienen, die auch bei uns schon Erwähnung fand. Dementsprechend stehen die drei Songs auch ganz am Ende der Platte. Beginnen wollen wir dabei mit dem”Bloom”-Rework, das Jamie XX hinzugesteuert hat. Da es sich um ein Rework handelt, ist vom Original natürlich nichts mehr wieder zuerkennen. Doch so wie das Original ein toller Song ist, kommt auch Jamie XX Rework als wirklich wunderbarer Track daher. Sehr sphärisch ist das Ganze. Einfach wunderschön verträumt. Über allem steht dabei die zarte echohaft hallende Stimme Thom Yorkes. Zu deren Ergänzung sind nur einfachste Rhythmus-Elemente und ein paar weitere Klänge nötig, und aus dem Ganzen wird ein rundum guter Song.

 

Darauf folgt der von Anstam gemachte Remix von “Seperator”. Dessen größter Unterschied gegenüber dem Original besteht allein schon darin, dass hier im Vergleich zum Original das Tempo deutlich erhöht wurde. Dies macht sich gemeinsam mit den weiteren Elementen, wie etwa einem stärkeren Bass sehr gut.

 

Abgeschlossen wird das Album dann von einem weiteren “Lotus Flower”-Remix, der dieses Mal von SBTRKT stammt. Dieser Remix erweitert das Originial um einen deutlich zentraleren Bass. Der bei SBTRKT erwartbare Dubstep-Charakter des Songs passt in dieser Version sehr gut. Der Song behält die wunderschönen Teile des Originals, kombiniert sie über weite Passagen hin aber mit den durch den schnelleren Rhythmus deutlich energetischeren Elementen, die SBTRKT hinzugefügt hat. Definitiv also eine gute Nummer.

 

Halten wir abschließend also fest: Auf TKOL RMX 1234567 befinden sich eine, bei den Namen der Künstler, erwartbare Reihe guter Songs. Teils richtig guter Songs. Viele der 19 Tracks sind jedoch auch nicht so stark oder nur mittelmäßig. Aber alleine aufgrund der großen Anzahl kommen so fast zwangsläufig auch einige gute Tracks zusammen. Auch wenn man sagen muss, dass man sich von dem einen oder anderen (siehe Caribou und Four Tet) doch durchaus mehr erwartet hätte. Trotz allem überwiegen aber eindeutig die positiven Stellen des Doppel-Albums, denn selbst von den schwächeren Songs sind nur die wenigsten wirklich schwach. Eine Reihe dieser Tracks ist einfach kein sonderliches Highlight, trotzdem gut hörbar. Die hohen Erwartungen sind damit also erfüllt worden – zumindest größtenteils.

 

 

Radiohead – Morning Mr Magpie (Nathan Fake RMX)

 

 

Radiohead – Little By Little (Shed RMX)

 


von chris am 11.Okt.2011 in kultur